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06.12.2008 » Die Winterreise - Oper für Obdach

Melancholische Kunstlieder und Opernliebhaber, die aus ausgehöhlten Brotlaiben dicke Kartoffelsuppe löffeln - ein Benefizkonzert zur Unterstützung wohnungsloser Menschen

Im kleinen Mozartsaal der Alten Oper Frankfurt erwartet man alles, aber keine Armenspeisung. Es ist in der Tat ein merkwürdiger Anblick, eine Abendgesellschaft in Kleidern und polierten Schuhen zu sehen, Opernliebhaber, die aus ausgehöhlten Brotlaiben dicke Kartoffelsuppe löffeln.

Der Grund für diese untypische Gebahren war das Benefizkonzert „Oper für Obdach“. Unter der Schirmherrschaft von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth und Bruder Wendelin Gerigk vom Kapuzinerorden ging der Reinerlös der Veranstaltung an den Franziskustreff Frankfurt, der seit 15 Jahren einen festen Platz in der Wohnungslosenhilfe Frankfurts einnimmt. Bedürftige Menschen erhalten hier täglich Mahlzeiten, einen warmen Zufluchtsort und Hilfe für ihr Leben.

„Es ist mir ein großes Anliegen, meine Kunst auch sozial wirken zu lassen uns sie (…) in den Dienst derer zu stellen, um die es in der Schubertschen ‚Winterreise’ geht: Die Unverstanden, Verlassenen, Suchenden, Frierenden, Sterbenden.“ (Christoph von Weitzel)

Auf dem Programm des Abends stand die ‚Winterreise’. Franz Schubert vertonte in diesem Zyklus 24 Gedichte in Liedform des Dichters Wilhelm Müller. Die Form des Kunstliedes ist typisch für die Epoche der Romantik ebenso die Besetzung, bestehend aus Klavier und Bariton-Gesang.

Christoph von Weitzel spielte unter der Regie von Hugo Scholter in der szenischen Darstellung des Liederzyklus den einsamen Wanderer, begleitet von Ulrich Pakusch am Klavier.

Der Verbindung zum Thema „Obdachlosigkeit“ gelang von Weitzel spielend, die Winterreise bot sich geradezu dafür an. Von Weitzel trat in zerlumpten Kleidern, mit Koffern und Tüten bepackt auf. Die Mutlosigkeit und Verzweiflung steigerte sich von Lied zu Lied, unterbrochen von kurzen hoffnungsvollen Zwischenspielen, die sich wie beispielsweise in „Hoffnung“ doch nur als kurze, grundlose Euphorie entpuppten. Die szenische Darstellung wurde trefflich durch das Kleberschnüffeln des Wanderers umgesetzt.

Christoph von Weitzel sang die Lieder sehr schnörkellos und roh, mal schneidend,mal lyrisch, aber immer reduziert und ohne Vibrato oder unnötige Verzierungen. Seine Interpretation und die ebenso zurückhaltende Spielweise des Pianisten Pakusch betonten die melancholisch bis depressive Stimmung der Schubertlieder.

Leider konnte der „Kunstgenuss“ nicht bis zum Verklingen des letzten Akkords wirken. Während das Klavier die monotonen Bordunquinten des „Leiermanns“ spielte, packte das leicht ungeduldige Publikum bereits die Programme ein, schloß Handtaschen und verbreitete Unruhe im Saal.

Datum

06.12.2008

Location

Ort: Frankfurt - Alte Oper

Linie: U6, U7

Haltestelle: Frankfurt Alte Oper (Verbindungsauskunft)

mainmove ist ein Gemeinschaftsprojekt der Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH und der Naturfreundejugend Deutschlands