Logo

03.02.2009 » „Auf in den Kampf, die Schwiegermutter naht!“

Mit Minimalbesetzung führt das kleine Ensemble des Stalburgtheaters die Oper „Carmen“ von Georges Bizet in einer amüsanten Kurzfassung auf.

Carmen, wer ist das eigentlich, diese Frau, dieser Inbegriff des Weiblichen?
Innerhalb von 45 min versucht das kleine Ensemble diese Frage von verschiedenen Seiten und auf verschiedene Weisen zu beleuchten und nebenbei auch noch die geeignete Kandidatin für die sich an die Pause anschließende Aufführung der Oper zu finden.

Carmen, die Zigeunerin? Carmen, die emanzipierte Frau? Carmen, der Männertraum?
Die Mezzosopranistin Ingrid El Sigai, der Cellist Frank Wolff und Markus Neumeyer am Klavier zünden ein buntes Feuerwerk an musikalischen Argumenten.
So werden Pablo de Sarasates „Aires gitanos“ - Zigeunerweisen - elegisch auf dem Cello vorgetragen, gefolgt von Günter Neumanns neckischem Chanson „Neandertaler“, in dem sich Carmen, klischeehaft einen „richtigen Mann“ wünscht – und nicht solche Schlappschwänze, die ihr sonst unterkommen.
Das Gegenargument folgt in Alices Schwarzers Worten: „Carmen ist auch eine politische Figur“. Über Manuel de Fallas "Siete canciones populares españolas" und "America" aus der Westside-Story wird weiter nach DER Carmen gesucht, bis Georg Kreislers "Theaterdirektor" endlich die ideale Besetzung gefunden hat.

Im ausverkauften Stalburgtheater, mit dem Charme eines großen Wohnzimmers, verfolgte das Publikum bei Grauburgunder und Äbbelwoi frisch aus dem Bembel gespannt die Inszenierung.

Das kleine Ensemble schaffte es mühelos, ein ganzes Orchester zu ersetzen. Lautmalerisch imitierte El Sigai einen ganzen Geigersatz, mit schmalzigem Vibrato, Neumeyer brachte die Bassstimmen mit einem aggressiven Einsatz auf den Punkt „rumms“ und Wolff entlockte mit irrem Blick dem Cello die flirrensten Töne.
Mit geballtem Einsatz der Flatterzunge aller Ensemblemitglieder marschieren die Torreros ein, mit dem Schlachtruf „Auf in den Kampf die Schwiegermutter naht/ Siegesgewiss, klappert ihr Gebiss“.
Mit einem guten Schuss Witz wurden Passagen gerafft und Darstellungen des Bühnenbilds á la „Die bekifften Arbeiter der nahgelegen Zigarettenfabrik lehnen an der Mauer“ parodiert. Zwischendurch gibt es elegische Cellopassagen, aber nicht zuviel des Guten, denn wie ruft El Sigai vor dem 4. Akt: „Das kitschige Vorspiel lassen wir jetzt mal weg“.
Das Publikum wurde kurzzeitig durch eine sehr atonale Passage – aber in perfektem Zusammenspiel zwischen Gesang und Klavier – verwirrt, aber durch ein kurzes „We are the Champions“-Zitat wieder in die gewohnten Tonlagen zurückgeholt.
Das Ende – knapp, aber bezeichnend:

Jose ersticht Carmen.
Escamillo ersticht Stier.
Carmen stürzt.
Stier stürzt.
Publikum bestürzt!


Weitere Aufführungen am 10. März und 6. April.
 

Datum

vom 03.02.2009 um 20:00 Uhr bis

Location

Ort: 60318 Frankfurt/Nordend

Straße: Glauburgstr. 80

Linie: Linie U5

Haltestelle: Frankfurt Glauburgstraße (Verbindungsauskunft)

Weiterführende Links

mainmove ist ein Gemeinschaftsprojekt der Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH und der Naturfreundejugend Deutschlands