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13.07.2009 » Wenn Quadro Nuevo aufspielt, muss sogar der Regen einpacken!

Das Tango-Quartett legte am Sonntag ein phänomenales Konzert im Innenhof des Landesministeriums für Kultur und Wissenschaft in Wiesbaden hin und trotzte dabei Wind und Wetter. Die Mainmove-Redaktion war für euch dabei und berichtet hier…

Unter denkbar schlechten Voraussetzungen fanden sich um 11 Uhr Jazzliebhaber aus Wiesbaden und Umgebung zu der Open-Air-Konzertreihe „Jazz im Hof“ im Innenhof des Landesministeriums für Kultur und Wissenschaft ein. Es regnete und Windböen fegten über die Bierbänke. Die Plätze unter den (Sonnen-) Schirmen waren wie zu erwarten schnell belegt. Open-Air-Erprobte Konzertbesucher waren besser ausgerüstet als ich und hatten Sitzkissen, Regenjacken und Regenschirme im Gepäck. Ein hartgesottener Besucher setzte sich mit Klappstuhl und Regenschirm direkt vor die Bühne und dachte wohl „Hauptsache die Bierschaumkrone hält“.

Mit der Band ging die Sonne auf

Dennoch waren alle guter Dinge, als die vier Musiker von Quadro Nuevo die Bühne betraten.
Mulo Francel (Altsaxophon, Tenorsaxophon, Sporansaxophon, Klarinette, Bassklarinette, Psalter) kündigte auch gleich an, mit den nächsten Stücken den Regen zuvertreiben.
Mit ihm musizierten Andreas Hinterseher (Akkordeon, Vibrandoneon) und D. D. Lowka (Kontrabass, Percussion). Aufgrund eines schweren, unverschuldeten Autounfalls konnte der Stammgitarrist Robert Wolf nicht dabei sein. Die befreundeten Harfenistin Evelyn Huber sorgte aber für ebenbürdigen Ersatz.

Bunte Mischung aus ihrem Repertoire

Da die Vier bereits seit 10 Jahren zusammen Musik machen, konnten sie musikalisch aus den Vollen schöpfen.
Reiseeindrücke verarbeiten Quadro Nuevo in Stücken wie „Antakya“, einer Stadt im Südosten der Türkei, die durch eine kulturelle und religiöse Vielfalt sehr inspirierende Wirkung hat. Orientalisch anmutende Melodieläufe, Trommelwirbel auf dem Basskorpus und rhythmisches Stampfen versetzten die Zuhörer weit weg vom regnerischen Okzident.
Obwohl das Quartett nach eigener Aussage besonders europäischen Tango mag, durfte ein argentinischer Klassiker nicht fehlen: El Choclo! Mit dem Springbogen – in Fachkreisen als spicatto bezeichnet – leitete der Bassist D. D. Lowka das Stück ein, flirrenden Klängen aus dem Akkordeon setzten ein und jagten den Zuhörern Gänsehaut über den Rücken. Elegisch gedehnte Pausen wechselten mit treibenden Einsätzen und langgezogenen Saxophonphrasen voller Senhsucht. Da hielt es auch das Publikum nicht mehr auf den Stühlen und ein betagtes Paar legte einen Tango aufs Parkett.

Weitere Glanzstücke waren Stücke aus der vertonten Reise Goethes nach Italien und der Samba par parapente – der Samba für einen Gleitschirmflieger. Beeindruckend auch der Moment indem Mulo Francel einen Schuh auszog und zum Erstaunen des Publikums begann, mit dem Fuß den Bogen der Tischharfe zu führen –natürlich während er Saxophon spielte!


Minutenlange Soli begeistern das Publikum

Als krönenden Abschluss spielten Quadro Nuevo Miserlou – bereits die Einleitung der Bassklarinette, ein minutenlang gedehnter, auf- und abschwellender Klang, ähnlich einem Didgeridou löste Begeisterungsstürme aus. Jeder Musiker zeigte seine Virtuosität und Einfallsreichtum in ausgedehnten Soli, die die Instrumente in allen Höhen und Tiefen ausloteten.
Die lautstark eingeforderte Zugabe setzte dem ganzen noch einen drauf: Bassist D. D. Lowka verzierte einen zerbrechlichen, durch Akkordeon-Percussion und Bass-Congas getragenen Bossa Nova durch seinen Skat-Gesang. Allein der Bratwurstgeruch passt nicht recht zur Stimmung.

Konzertreihe für einen guten Zweck

Die Konzertreihe „Jazz im Hof“ wird vom Förderverein „Jazz im Hof e.V.“ organisiert, der aktuell sein 15 jähriges Jubiläum feiert, ein Drittel der Einnahmen dem Verein Herzenswärme gespendet, der sich für die Erfüllung der Wünsche schwerstkranker und bedürftiger Kinder einsetzt.


Weitere Konzerte finden jeden Sonntag bis 22. August statt.


Datum

vom 13.07 um 11:00 Uhr bis 22.08.2009 um 11:00 Uhr

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