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24.07.2009 » Open-Air in der Stadthalle

Das Tango-Quartett „Quadro Nuevo“ gastiert zum ersten Mal in Kronberg und begeistert Musikliebhaber aus dem Taunus mit seiner Virtuosität. Die Mainmove-Redaktion war für euch vor Ort.

Gefühlvolle Klänge in der Abendsonne – und das vor der Kulisse der Kronberger Burg, das war die reizvolle Mischung, die sich der veranstaltende „Kronberger Kulturkreis“ überlegt hatte. Leider machte das unbeständige Wetter diesem Plan einen Strich durch die Rechung und das Konzert wurde zum Wohl der Instrumente, Musiker und Gäste in die Stadthalle verlegt. Das tat der Stimmung keinen Abbruch, denn auch die Stadthalle versprühte mit den hohen, stuckverzierten Decken und dem schweren, roten Samtvorhang ihren eigenen Charme.

Ein eingespieltes Team

Quadro Nuevo – das sind Mulo Francel (Altsaxophon, Tenorsaxophon, Sopransaxophon, Klarinette, Bassklarinette, Psalter), Andreas Hinterseher (Akkordeon, Vibrandoneon) und D. D. Lowka (Kontrabass, Percussion). Aufgrund eines schweren, unverschuldeten Autounfalls konnte der Stammgitarrist Robert Wolf nicht dabei sein. Die befreundeten Harfenistin Evelyn Huber sorgte aber für ebenbürdigen Ersatz. Da die Vier bereits seit 10 Jahren zusammen Musik machen, konnten sie musikalisch aus den Vollen schöpfen.

Reiseeindrücke aus ganz Europa

Die Musiker lieben es zu Reisen und verarbeiten ihre Eindrücke in Stücken wie „Antakya“. Namensgebend ist eine Stadt im Südosten der Türkei, die durch eine kulturelle und religiöse Vielfalt sehr inspirierende Wirkung hat. Orientalisch anmutende Melodieläufe, Trommelwirbel auf dem Basskorpus und rhythmisches Stampfen versetzten die Zuhörer weit weg vom gewohnten Okzident.
Obwohl das Quartett nach eigener Aussage besonders europäischen Tango mag, durfte ein argentinischer Klassiker nicht fehlen: El Choclo! Mit dem schwarzbespannten Springbogen – in Fachkreisen als spicatto bezeichnet – leitete der Bassist D. D. Lowka das Stück ein, flirrenden Klängen aus dem Akkordeon setzten ein und jagten den Zuhörern Gänsehaut über den Rücken. Elegisch gedehnte Pausen wechselten mit treibenden Einsätzen und langgezogenen Saxophonphrasen voller Sehnsucht.

Geschenke für J.W.Goethe

Mulo Francel führt mit seiner sympathischen Art durch das Konzert und überraschte das Publikum mit Geschenken für Goethe. Bei der Arbeit an der Vertonung von dessen Reise nach Italien haben Quadro Nuevo ihn so lieb gewonnen, dass sie im auch eigene Stücke komponieren und schenken wollten. Humor beweisen die Vier auch mit Stücken wie der Samba par parapente – der Samba für einen Gleitschirmflieger. Beeindruckend auch der Moment in dem Mulo Francel einen Schuh auszog und zum Erstaunen des Publikums begann, mit dem Fuß den Bogen der Tischharfe zu führen –natürlich während er Saxophon spielte!

Jeder Musiker ein Meister seines Fachs

Der mitreißende Höhepunkt des Konzerts war ohne Frage „Miserlou“ – bereits die Einleitung der Bassklarinette, ein minutenlang gedehnter, auf- und abschwellender Klang, ähnlich einem Didgeridou löste Begeisterungsstürme aus. Jeder Musiker zeigte seine Virtuosität und Einfallsreichtum in ausgedehnten Soli, die die Instrumente in allen Höhen und Tiefen ausloteten. Andreas Hinterseher entlockte dem Akkordeon alle Arten von Klängen und tänzelte dazu, Evelyn Huber lotet die Harfe von sanften Elfenklängen bis zu peitschenden, mit den Fingernägeln geschlagenen Akkorden meisterhaft aus. Mulo Francel spinnt Melodieläufe in einem schwindelerregenden Tempo und D.D. Lowka trommelt sich und das Publikum in Trance.
Die lautstark eingeforderte Zugabe setzte dem ganzen noch einen drauf: Bassist D. D. Lowka verzierte einen zerbrechlichen, durch Akkordeon-Percussion und Bass-Congas getragenen Bossa Nova durch seinen Skat-Gesang.


Datum & Location

Datum: 24.07.2009
Ort: 61476 Konberg

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