Was sollen die Leute denken
Kein Gartencenter-Pärchenbesuch bei Jess Joachimsens Buch „Was sollen die Leute denken“, sondern der lange Monolog eines Mannes, der aufhört zu funktionieren: Mit seinem Monolog möchte er die Welt zum Stillstand zwingen. Sein Kind wünscht sich einen Hund. Seine Frau möchte das traute Heim verschönern. Draußen blüht das Leben, aber der Erzähler hat genug von der perfekten Welt und von den Freizeitverbiegungen:
"Solange Eltern auf Spielplätzen sind, sollte man Kinder gezielt davon fernhalten. Separieren von der Herde alles kontrollierender Leittiere mit Lidschatten und Crocs, für die „Spiel“ überhaupt nicht existiert, sondern nur Bitterkeit und Normalität.
Fliehen sollte man sie, die Rudel Spätgebärender, die stolz glucksend und ratgebersediert sich und ihren Nachwuchs präsentieren, dabei sieht jedes Kind, ein paar IQs weniger und man müsste sie gießen! Wie macht die Kuh? Muh macht die Kuh!
Weg von hier!
Fort vom real praktizierten Unglück. Von jener Langeweile, aus der Norm nur so heraussuppt, und immer wieder die Lüge."
Die narrative Instanz hat genug vom Anschwindeln: So sieht das glückliche Leben nicht aus. Auf 77 Seiten bleibt kein Stein auf dem anderen. Der Leser wird mitgenommen auf einen schonungslosen verbalen Amoklauf. Der Erzähler redet sich um Kopf und Kragen. Dabei ist er auch schonungslos ehrlich zu sich selbst:
"Ich bin Selbstdarstellungsbeamter. Mein Gewissen ist ein Blockwart. Ich verhalte mich so, wie es von mir erwartet wird. Schlimmer noch: Ich verhalte mich so, dass andere denjenigen in mir sehen, der ich gerne wär."
So erfährt der Leser auch gleich noch die Hintergedanken des Erzählers. Denn dieser nimmt den Leser mit auf eine rasante Reise in seine Gedankenwelt. Es sind absonderliche und geistreiche Gedanken. Sie sind nicht belehrend, sondern entlocken dem Leser hier und da ein Lächeln.
Wie ein feine Melodie lässt sich das Buch leicht aufnehmen. Dem Autor gelingt die Gratwanderung zwischen Ernst und Eselei. Immer wieder blinkt er auf: Jener kurze Moment des Glücks, in dem es eben völlig egal ist, was die Leute denken.