Nele Neuhaus - eine hessische Krimi-Autorin

Im Internet suchte ich Bücher von Autoren in Hessen weil ich es spannend finde, über Ereignisse zu lesen, die an Orten spielen, die ich kenne. Ich stieß auf die Bücher der Krimiautorin Nele Neuhaus. Kriminalromane, die im Main Taunus Kreis spielen.

Ich las ihr erstes Buch „ Eine unbeliebte Frau“, das 2006 erschien, und war so begeistert, dass ich mir gleich darauf den zweiten Band „Mordsfreunde“ (erschienen 2007) bestellte.

Nele Neuhaus schreibt ihre Bücher so authentisch, so lebensnah, mit prickelnder Spannung und Liebe zum Detail, dass man das Gefühl hat, die Personen in dem Buch persönlich zu kennen. Von Seite zu Seite lebt man während des Lesens mit und ist völlig in diese Welt versunken. Und genau das ist es, was die Bücher von Nele Neuhaus ausmacht - man merkt, dass sie von Herzen schreibt und jedes ihrer Bücher sehr genau recherchiert hat.

In dem Buch „Eine unbeliebte Frau“ wird an einem Sonntagmorgen im August die Leiche einer jungen Frau unterhalb des Atzelbergturmes in Kelkheim gefunden. Eine Stunde zuvor wurden das erfrischende Ermittlerduo Kriminalhauptkommissar Oliver von Bodenstein und seine neue Kollegin Pia Kirchhoff mit der Leiche des Frankfurter Oberstaatsanwalts Dr. Joachim Hardenbach konfrontiert. Nur Zufall oder gibt es einen Zusammenhang?
Kriminalhauptkommissar Bodenstein und seine Kollegin Pia entdecken immer mehr Risse in der Fassade: Was anfangs aussah wie ein Selbstmord der jungen Frau stellt sich schnell als Mord heraus. Der Kreis der Menschen, die von dem Tod der Frau profitieren würden, wird immer größer und immer spannender. Es gibt viele Spuren, die den Leser zum „Ermittler“ machen, doch bis zum Ende ist es Spannung pur und man tappt im Dunkeln, wer der Täter ist.

Sympathisches Ermittler-Duo

Die Handlungen lesen sich flüssig und sehr durchdacht, auch kurze Einblicke in das Privatleben der Ermittler sind alles andere als langweilig und sehr erfrischend, da es Menschen mit Fehlern und Schwächen sind, aber auch mit Gedanken und Taten, wie man sie selbst erlebt. Es ist schön, mal ein Ermittlerduo vor sich zu haben, das nicht mitten in einer Lebenskrise steckt, sondern eine sehr taffe Protagonistin Pia, die sich ihren Traum von einem eigenen kleinen Hof mit Stallungen verwirklicht hat und nebenbei die Höhen und Tiefen des Lebens meistert. Ebenso wie Oliver Bodenstein, der sich, wenn er von der Arbeit kommt, mit seinen pubertierenden Kindern auseinandersetzen muss und eine sympathische Ehefrau hat.

Das Buch hat genau die richtige Mischung und ist bis zum Ende auf hohem Niveau gehalten, der Schwerpunkt liegt auf den Ermittlungen und durch kleine Einblicke in das Privatleben der Protagonisten erhält man schnell einen Bezug.
Trotz der vielen mitwirkenden facettenreichen Personen behält man durch den strukturierten Schreibstil der Autorin immer den Überblick.
Man darf also gespannt auf das Tatmotiv sein, wer letztendlich der Mörder ist und was der Freitod des Oberstaatsanwaltes mit all dem zu tun hat.

Wer gerne temporeiche, durchdachte Krimis liest und für wen Worte nicht einfach Worte sind, sondern Melodien, muss dieses Buch einfach lesen. Allen anderen lege ich es auch ans Herz.

Tatort "Opel-Zoo" in Kronberg

Weiter geht es dann mit dem Kriminalroman „Mordsfreunden“, in dem Bodenstein und Kirchoff einen, ich möchte sagen noch brisanteren Fall bearbeiten: Im Opel-Zoo in Kronberg wird in einem Tiergehege eine menschliche Hand gefunden, auf der gegenüberliegenden Wiese die passende Leiche dazu. Es handelt sich um den Biologielehrer und radikalen Umweltaktivisten Hans-Ulrich Pauly. Schnell kristallisiert sich heraus, dass Pauly viele Feinde hatte und noch mehr ein Motiv, ihn zu töten. Pauly spaltete die Bevölkerung: von den einen geliebt und verehrt, von den anderen gehasst.

Am Anfang ist man sich als Leser scheinbar sicher und weiß, wer der Mörder ist, aber wer das erste Buch gelesen hat, kennt die Raffinesse der Autorin und tappt völlig im Dunkeln.
Die im Buch beschriebene B8-Problematik ist real und sehr gut recherchiert, auch hier wieder ein Beispiel, wie gut die Autorin sich zum einen in der Gegend auskennt und zum anderen Dinge auf den Punkt bringen kann. Sie bleibt dabei völlig unparteiisch und die Kommissare ermitteln wieder auf hohem Niveau.

Überraschende Wendungen

Und auch in diesem Buch muss man schmunzeln, staunen und wird ohne Vorwarnung mit Handlungen konfrontiert die man sich nicht im entferntesten hätte ausmalen können.
Wer außerdem denkt, dass das Ermittlerpaar auch privat ein Paar wird, so wie es in vielen Büchern der Fall ist, guckt ziemlich betroffen drein, als Pia den Zoodirektor Sanders kennenlernt. Der allerdings auch zum Kreis der Verdächtigen gehört.

Mir persönlich hat zudem gut gefallen, dass Nele Neuhaus auch die Probleme Jugendlicher mit in das Buch einbindet und das anspricht, was oft unter die Decke gekehrt wird. Jugendliche, die aus einem reichen Elternhaus kommen und mehr Geld als Liebe erhalten, wollen oft ausbrechen. So auch Lukas, wo erst viel später klar wird, dass er an einer Persönlichkeitsstörung leidet. Die Figur Lukas wird meiner Meinung nach sehr authentisch von der Autorin dargestellt.

Man darf auch auf dieses Ende gespannt sein, es fällt einem schwer, das Buch aus der Hand zu legen, man liest und liest, weil man wissen will, wie es ausgeht und ist doch traurig mit jeder Seite, die man umblättert, dass es sich dem Ende zuneigt.

Ende August 2009 erscheint aber glücklicherweise Band 3 der Reihe Bodenstein/Kerchoff und deren Ermittlergruppe.

Wer ist Nele Neuhaus überhaupt?

Nachdem ich die Bücher gelesen hatte, wollte ich mehr über die Autorin wissen, die es geschafft hat, mich so zu begeistern. Auf ihrer Homepage www.neleneuhaus.de findet man viele Informationen über sie, die ich mit großem Interesse gelesen habe. Aber das reichte mir nicht. Da ich für die mainmove-Redaktion tätig bin und meine Leidenschaft das Schreiben ist, habe ich Nele Neuhaus angeschrieben und gefragt, ob sie bereit wäre, mit mir zu sprechen. Sie sagte zu. Ich freute mich sehr darüber. Auf ihrer Homepage schreibt sie, dass es immer ihr größter Traum war zu schreiben und dass sie daran immer festgehalten hat. Auch ich bin fasziniert von Worten und den Worten auf dem Papier Leben einzuhauchen. Wir vereinbarten einen Termin zu einem Gespräch.

Auf dem Weg zur Krimi-Autorin ...

Um 13 Uhr machte ich mich von Florstadt auf den Weg nach Frankfurt-Unterliederbach, wo ich um 14 Uhr einen Termin mit der erfolgreichen Buchautorin Nele Neuhaus hatte.

Wir hatten uns auf dem Birkenhof verabredet, Nele Neuhaus ist leidenschaftliche Reiterin und Pferdebesitzerin und hat ihre Pferd auf dem Birkenhof stehen. Der Birkenhof spielt, in abgeänderter Form, eine wesentliche Rolle in ihren Büchern: Protagonistin Pia lebt dort.

Als ich zu dem Hof fuhr, war ich fasziniert. Nele Neuhaus hat in ihren Büchern alles so detailgenau beschrieben, dass mir zu jedem Weg, zu jedem Tor, zu jedem Gebäude eine passende Buchstelle einfiel.

Sie wartete schon auf mich, freundlich winkend begrüßte sie mich in der Hofeinfahrt.

Wir begrüßten uns, es war ein sehr herzlicher Empfang. Sie führte mich über den Birkenhof und zeigte mir ihre Pferde. Da ich das gleiche Hobby habe und selbst zwei Pferde besitze, hatten wir schon gleich viel Gesprächsstoff.

In ihren Büchern ist auf dem Birkenhof ein umgebauter Zwinger ein Zuhause für Meerschweinchen, ich war nicht wenig überrascht, als ich plötzlich vor genau diesem Zwinger stand, in dem sich die Meerschweinchen tummelten. Wunderschön umgebaut ist er ein Paradies für die kleinen Nager.

Wir setzen uns dann an einen gemütlichen Holztisch auf dem Hof.

... und dann das Gespräch

Ich hatte mir Fragen auf meinem Block notiert ,aber das meiste ergab sich von selbst.
Wir waren mitten im Gespräch, als es anfing zu regnen, so mussten wir umdisponieren und zogen uns in eine gemütliche Sattelkammer zurück. Umgeben von Sätteln und Trensen und dem Geruch von Leder und Pferd, auf kleinen Holzbänkchen sitzend, erzählte mir Nele Neuhaus, dass sie schon immer schreiben wollte, schon früh Geschichten verfasste, es immer ihr Traum war, Bücher zu schreiben und sie zu veröffentlichen. In ihrer Jugendzeit erntete sie dafür wenig Verständnis, aber sie gab nicht auf, blieb immer dran. Bis heute. Und jetzt hält sie ihre Bücher in der Hand. Es sei ein unbeschreibliches Gefühl sagt sie, man kann nicht beschreiben, wie es ist, wenn ein Traum sich erfüllt.

Es ist weiter ein Traum. Ein Traum, der sich erfüllt hat. Manchmal, wenn sie mit ihrem Hund durch den Wald läuft, kann sie das alles gar nicht fassen. Und wenn sie es dann realisiert, ist sie so dankbar, wie alles gekommen ist. Aber sie hat auch hart dafür gekämpft. Es ging nicht immer aufwärts. Oft ist sie hingefallen, hat sich immer wieder gezwungen aufzustehen, obwohl liegen bleiben viel bequemer gewesen wäre und nicht so anstrengend. Aber wenn man ein Ziel vor Augen hat, einen Traum, den man leben und erleben will, dann steht man auch ein zehntes Mal wieder auf. Und der Erfolg gibt ihr Recht, inzwischen hat sie mehr Bücher verkauft, als sie je erhofft hätte.

Fragen an Nele Neuhaus

Wir verstanden uns auf Anhieb so gut, dass Nele mir das "Du" anbot.

Mona Römer: Was fasziniert dich am Schreiben?
Nele Neuhaus: Schreiben ist die schönste Tätigkeit, die ich mir vorstellen kann. Schriftstellerin zu sein, ist die Erfüllung meines größten Traumes.

Wo schreibst du deine Texte? Ich höre von vielen, dass sie in Cafés schreiben, im Wald oder im Zug, wie ist das bei dir?
Ich kann nur in meinem Büro schreiben. Ich höre auch oft, dass andere überall schreiben können, ich nicht. Ich brauche meinen kleinen, gemütlichen Raum, mit all meinen Papieren und der Ruhe. Nur die Ideen. Die kommen mir meist, wenn ich zum Beispiel auf dem Pferd sitze, mit dem Hund durch den Wald laufe, oder wenn ich schlafe. (Nele lacht)

Wie oft schreibst du? Und wie lange?
Ich schreibe jeden Tag. Ich habe mir einen Plan ausgearbeitet, dass ich mich jeden Tag vor den PC setze. Mindestens eine Stunde. Oft ist es dann viel länger. Da vergesse ich die Zeit und irgendwann steht mein Mann in der Tür und ich merke erst, dass es schon wieder Abend ist. Es gibt Tage, wenn ich aus dem Büro komme, in dem ich Vormittags arbeite, da bin ich leer und mir fehlen Ideen und es will kein fließender Text zustande kommen. Dann schreibe ich einfach etwas anderes, damit ich in meinem Rhythmus bleibe.

Die Personen die du im Buch beschreibst, wie zum Beispiel Pia, hast du sie frei erfunden oder dich an Personen aus dem Leben orientiert?
Pia ist ein bisschen wie ich, es ist oft leichter, wenn man ein Bild vor Augen hat, in das die Personen hineinpassen. Aber das meiste findet sich dann in abgeänderter Form wieder.

Was hat dich daran fasziniert, die Handlungen in Hessen, in deiner Umgebung spielen zu lassen?
Ich kann mir die Orte vorher ausgucken, ich bin ein Detailfanatiker, was man in meinen Büchern auch merken kann. Ich möchte, dass alles schlüssig ist. Außerdem begeistert es mich und auch die Leser, wenn man sich genau vor Augen halten kann, wo dies oder jenes passierte. Aber auch für Leute aus anderen Regionen ist es nicht schwerer, die Handlungen zu verstehen.

Deine Bücher zeugen von großem Fachwissen, was die Polizeiarbeit angeht oder die Rechtsmedizin, woher hast du es?
Ich lese täglich im Internet, lese Fachliteratur zu den Themen, über die ich schreibe. Am wertvollsten ist aber der direkte Austausch mit Fachleuten. Nach und nach habe ich Kontakte zu der Polizeidienststelle aufgebaut und bekomme dort Tipps und Hilfe und Insiderwissen, das ich dann in meinen Büchern wiedergeben kann.

Wieviele Kirchhoff- und Bodenstein-Romane wird es noch geben?
(Grinsend) Ich hoffe und denke viele.

Was motiviert dich zum schreiben?
Ich mich selber. Und meine Ideen. Meine Träume.

Wer sind deine Lieblingsautoren?
Stig Larson, die Biss-Reihe, Donna Leon, Elisabeth Herrmann, John Grisham uvm.

Und eine letzte Frage: Du gibst oft Lesungen, bist du davor und währenddessen sehr aufgeregt?
Nein ganz im Gegenteil, ich habe da absolut keine Scheu und kein Lampenfieber. Ich mache das total gerne. Es ist ein wunderbares Gefühl, zu wissen, die Menschen kommen wegen meinen Büchern. Man lernt dabei so viele interessante Menschen kennen, man bekommt neue Ideen, wird neu inspiriert. Es macht einfach Spaß.

Vielen Dank an Nele Neuhaus , dass sie mir alle Fragen so geduldig und ausführlich beantwortet hat, es hat unheimlich viel Spaß gemacht, sie kennenzulernen.

Termine und Infos

Lesungstermine und Neuigkeiten zu den Projekten unter www.neleneuhaus.de

Die Lesung am Mittwoch, den 07.10.2009 um 20:00 Uhr in der Buchhandlung Bindernagel in 35510 Butzbach, werde ich besuchen. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen.

Werke:

  • Unter Haien (2005) Monsenstein und Vannerdat, Münster
  • Eine unbeliebte Frau (2006) Monsenstein und Vannerdat, Münster, Neuauflage 2009, List-Taschenbuchverlag
  • Mordsfreunde (2007) Monsenstein und Vannerdat, Münster, Neuauflage 2009, List Taschenbuchverlag
  • Tiefe Wunden (September 2009) erscheint im List Taschenbuchverlag, Berlin

Jugendbücher:

  • Das Pferd aus Frankreich (2007) Monsenstein und Vannerdat, Münster


Weiterführende Links
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