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News
DVD-Tipp: Paris, Texas - Ein Railroadmovie
Ein Mann wankt durch die Mittagssonne einer Wüste und der Popcorn knabbernde Zuschauer glaubt kaum daran, dass er je lebend wieder herausfinden wird. Was ist diesem Travis bloß zugestoßen, fragt man sich, welche widrigen Umstände haben ihn in diesen Ausnahmezustand gebracht? Travis wird tatsächlich gerettet (sonst wäre der Film ja bereits am Anfang zu Ende), doch kaum ist er wieder einigermaßen bei Kräften, macht er sich auch schon wieder auf die Socken. Die einzige Konstante, der einzige Halt, den er in seinem Leben noch besitzt, sind die Eisenbahnschienen: An ihnen orientiert sich sein scheinbar zielloser Fußmarsch. Der Ausnahmezustand hält schon seit drei Jahren an. “Was ist denn mit dir passiert, man könnte meinen, du hättest Mexiko zu Fuß durchquert.”, stellt sein Bruder angesichts der völlig zerlumpten und zertretenen Stiefel fest. Spätestens in der darauffolgenden Stille wird dem Zuschauer alles klar und fast möchte man ausrufen: “Ja, ja er hat es tatsächlich getan!” Travis macht zunächst einen etwas zurückgebliebenen Eindruck. Seine Kleidung besteht nur noch aus Fetzen, die Haare und der Bart wuchern nur so vor sich hin, er weigert sich zu sprechen, mit einem Flugzeug zu fliegen und beharrt bei der Mietstation darauf, mit exakt dem gleichen Wagen wie zuvor zu fahren. Der einzige Ort, an den er noch gelangen möchte, ist Paris in Texas, wo er einmal ein Stück Land erworben hat - an den Grund dafür kann er sich allerdings zunächst nicht mehr erinnern. Da fällt es einem schwer sich vorzustellen, dass seine wesentlich jüngere und attraktive Ex-Freundin und Liebe seines Lebens Jane, übrigens der Schlüssel zu all dem Schlamassel, ihn noch ein paar Jahre zuvor “geliebt hat, weil er so verrückt war. Da hat sein Alter keine Rolle gespielt.” Gerade diese Undurchschaubarkeit der menschlichen Psyche ist es, die den Film so sehenswert macht. Selbst wenn man glaubt einen Menschen zu kennen, muss dieser Eindruck nicht der ganzen Wahrheit entsprechen. Jeder wird durch die Umwelt mal stärker, mal weniger verändert. Bei Travis ist es, als habe er drei Jahre in einem Schockzustand verbracht, erst als er seinen Sohn Hunter wiedertrifft, der von der Familie seines Bruders aufgezogen wurde, kehrt er langsam in die Realität zurück. Diese Wandlung wird sehr schön dargestellt, als er das erste Mal wieder einen feinen Anzug und Hut trägt. Auch die anderen Charaktere zeigen ambivalente Verhaltensweisen: Travis Schwägerin möchte ihn zunächst bei der Annäherung zu Hunter unterstützen, beschwört aber letztendlich einen Streit herauf, weil sie fürchtet, ihren Ziehsohn zu verlieren und das ängstigt sie vor allem, weil sie ohne ihn keine Zukunft in der Beziehung mit ihrem Mann sieht. Es gibt eben immer zwei Seiten der Medaille. Wim Wenders, “Vorzeigeregisseur” der Deutschen und Gewinner der Goldenen Palme von Cannes 1984, gelang es, ein spannendes und zeitloses Roadmovie zu schaffen, das mit langsamen Bildern und Einstellungen sowie Gesprächen und Situationen, mit oder ganz ohne Worte, besticht. Doch wer nun an Langeweile denkt, liegt falsch: nicht die Ruhe, sondern die Rastlosigkeit ist Thema des Films: Travis inneres Seelenleben ist so durcheinander, so aufgewühlt, dass er keine Rast mehr findet, er wandert umher und verbringt die Nächte nicht mit Schlaf, sondern mit Schuhe putzen... Mein Tipp: Nicht mehr rasten und nicht ruhen, bevor du diesen Film gesehen hast! |
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| mainmove ist ein Gemeinschaftsprojekt der Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH und der Naturfreundejugend Deutschlands | ||||