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DVD-Tipp: Außer Atem

“Sollte ich wählen zwischen Leid und Nichts, ich wählte das Leid.“, schreibt William Faulkner in seinem Roman Wilde Palmen.
Und du? Wofür würdest du dich entscheiden?

“Ich entscheide mich für das Nichts”, antwortet Michel Poiccard (Jean-Paul Belmondo), Hauptfigur von Jean- Luc Godards 1959 gedrehtem Film “Außer Atem”. Denn “leiden ist ein Kompromiss. Ich will alles oder nichts.“

Alles oder nichts - und so fasst er einen kühnen, aber simplen Plan: “Das Geld abholen, Patricia fragen ob ja oder nein und dann Italien...” Dabei hört er sich ein wenig an wie ein trotziges Rumpelstilzchen, das “Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich mir der Königin ihr Kind” singt. Und so geht dann auch einiges schief: Das ihm aus Gaunereien noch zustehende Geld lässt sich nicht so einfach beschaffen wie geplant. Erst gilt es jemanden zu finden, der ihm den Verrechnungsscheck einlöst. Auf der Fahrt von Marseille nach Paris gerät er mit einem gestohlenen Wagen in eine Verkehrskontrolle. Er erschießt einen Polizisten und wird fortan als Mörder gesucht. Und dann ist da ja noch Patricia (Jean Seberg). Patricia Franchini, das amerikanische Mädchen, das an der Pariser Sorbonne studiert und für die New York Herald Tribune Artikel schreibt. Sie lässt sich nicht so einfach überreden, nach Italien durchzubrennen, sie möchte in Paris bleiben - oder doch nicht? So genau weiß sie es eigentlich auch nicht. Ausgerechnet sie ist das einzige Mädchen, das dem Frauenheld Michel wirklich etwas bedeutet. Noch in Marseille hat er ein anderes Mädchen mit den Worten verabschiedet: “Ciao, ich muss flitzen.” Das reicht ihm als Begründung, warum er sie nicht mitnehmen kann. Auch wenn sie ihm kurz zuvor noch beim Autodiebstahl half.

Michel ist ein Herumtreiber, ein Überlebenskünstler und ein Krimineller, der von Zeit zu Zeit eine Recht schnoddrige Art besitzt. Und so lohnt es sich den Film im Originalton auf französisch zu sehen - gegebenenfalls mit deutschen Untertiteln. Denn so mancher Satz wird in der deutschen Synchronisation anders betont und erhält so eine andere, oft mildere, Bedeutung. Auch die Sprachwitze würden einem sonst entgehen: “C’est pas mal. C’est normal”, sagt Michel einmal. Und das Wichtigste: Wer will schon die vielen schönen “Oh là là’s” verpassen? Alles oder nichts eben.

mainmove ist ein Gemeinschaftsprojekt der Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH und der Naturfreundejugend Deutschlands