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Rom fordert zum Duell – oder wie die römischen Verträge die EU prägen!

Am 7. Juni ist Europawahl! Zeit, sich einmal Gedanken zur EU zu machen!

Zugegeben: Die Gründung Roms - 753 n. Chr. - ist schon eine Weile her. Im Schulunterricht lernt man die Daten immer noch: 753 – Rom schlüpft aus dem Ei. Die Eselsbrücke ist gut, etwas abgeändert kann man sie sogar mehrfach verwenden.
Denn im März 1957 - 3.57 also, wurden in Rom der Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Vertrag zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft von sechs europäischen Staaten unterzeichnet. Ein Zahlenspiel und ohne Zweifel sehr bedeutende Daten der Geschichte. Doch steckt am Ende vielleicht nicht noch mehr Rom in der EU?

Rom machte damals den Kern des Römischen Reiches aus und die Römischen Verträge sollen nun den Kern der EU bilden. Einen radioaktiven Kern. Denn mit EURATOM steht die Nukleartechnik im Zentrum. Ein Kernpunkt über Kernpolitik. Und wäre er der einzige gewesen, wären Italien 1987, Belgien 1999 und 2000 auch Deutschland schon ausgestiegen. In diesen Jahren beschlossen die Länder, sich von der atomaren Energie zu verabschieden. Doch Kernenergie ist nicht umsonst eine Energie. Und so strahlte der radioaktive Kern aus und trieb auch den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Integrationsprozess weiter voran.

Rom prägte das Leben im Römischen Reich. Heute prägt die EU das Leben von rund 450 Millionen Bürgerinnen und Bürgern. Sie soll eine Herzensangelegenheit ihrer Bürger sein, doch Verfassungsreferenten in Frankreich und den Niederlanden zeigten, dass dies noch nicht überall der Fall ist und auch die Wahlprognosen für die diesjährige Europawahl lassen wenig Gutes hoffen.

Die EU ist so weit weg wie einst Rom. Und wenn Bürger heutzutage zu träge sind, sich mit der Politik im eigenen Land konstruktiv auseinander zu setzen, wie soll das dann erst in einem noch größeren Rahmen, mit etwas, das noch ferner erscheint, funktionieren?
Eher nimmt der europäische Bürger die EU als einen ‚bürografischen Störfaktor’ wahr. Richtlinien, die, von außen kommend, die Politik in unserem eigenen Land beeinflussen.
Vielleicht liegt es daran, dass die EU, anders als die Deutsche Einheit von 1990, nicht aus Initiativen der Bevölkerung hervorgegangen ist, sondern aus Regierungsinitiativen und Vereinbarungen, deren Sinn, Zweck und Inhalt den jeweiligen Volksvertretern und ihren Wählern noch nachträglich vermittelt werden muss. Sorgen, die man sich damals in Rom nur bedingt machte.

Andere „römische“ Probleme haben die Zeit überdauert: Will die EU nicht am Ende den selben Kollaps erleiden wie das Römische Reich, muss sie sich selbst gegenüber immer kritisch bleiben und - wenn erforderlich - selbst reformieren.

Es gibt auch Gemeinsamkeiten, die bei näherer Betrachtung mit Rom nichts zu tun haben. Das Römische Reich war riesig und auch die EU ist erfreulicherweise expandiert. EU-Bürger und -Bürgerinnen müssen sich hier Fragen stellen, die einem Römer nie in den Sinn gekommen wären: Wann oder soll die Türkei überhaupt Mitglied in der Europäischen Union werden? Ein Land, das, geografisch betrachtet, noch nicht einmal komplett in Europa liegt und dessen Bevölkerung einem anderen, nicht-christlichen Glauben angehört. Ein Land, welches durch seine Lage die Gefahr bergen könnte, die EU in die Konfliktzonen des Nahen Ostens zu involvieren. Die Stabilität sowie die Identität der Gemeinschaft stehen auf dem Spiel. Doch gibt es – und wenn ja, wo – überhaupt geographische oder kulturelle Grenzen, über die hinaus die EU nicht erweitert werden sollte?
Und entsteht, beziehungsweise gibt es nicht schon längst ein Europa unterschiedlicher Geschwindigkeiten? Kann es sein, dass Europa, durch die sich übergangen fühlende Bevölkerung oder auch durch finanzielle Probleme platzen könnte? So wie die Verfassung vorerst geplatzt und erst einmal schockgefroren werden musste?
Wie viel Europa ist gut für ein Land? Eine einzelne Nation? Und kann man das überhaupt so pauschal sagen, oder muss das nicht jede Nation für sich selbst klären?

Doch wie auch immer ein Römer darüber denken würde: Europa lebt durch die Vielfalt. Wenn wir es schaffen, diese nicht zu zerstören, sondern als Chance begreifen und die Stärke und Identität der Regionen fördern, wird Europa mit ein bisschen Optimismus als Erfolgsmodell nicht aufzuhalten sein.

Und man bedenke auch: „Rom ist nicht an einem Tag erbaut.“


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