Nanna und Bjarki – meine Islandpferde
Einige Geschichten, Impressionen und Gedanken aus dem eigenen Leben. Eine glücklicherweise schöne Geschichte darüber, was man mit Pferden so alles erleben kann ...
Nanna, geboren am 10.04.1993 ist eine Fuchsstute mit Blesse und üppigem Behang, 133cm groß, Viergänger.
Mutter: Dagur-Stjarna
Vater: Feykir vom Gut Kempen.
Nanna darf ich mein Eigen nennen, seit sie 2 Jahre alt ist.
In 14 gemeinsamen Jahren haben wir schon einiges erlebt. Nanna ist meine beste Freundin, meine Vertraute, meine Basis. Nanna füllt mein Leben mit Glück. Nanna bringt mich zum Lachen (manchmal auch zum Weinen). Ich kann kaum in Worte fassen, was sie mir gibt. Ich kann mit Worten dem auch nicht gerecht werden, kann es nur versuchen, aber es steckt soviel mehr dahinter.
14 Jahre gehen wir Seite an Seite durchs Leben. Oft habe ich mein Gesicht in ihrer wunderschönen Mähne vergraben und geweint. Dann steht sie ganz still, lauscht meinen Worten und tröstet mich mit ihren Blicken. Seit 14 Jahren ist Nanna ein Teil von mir.
Sie wurde 5jährig von mir mit Hilfe meiner damaligen Reitlehrerin englisch eingeritten. Wir waren eine zeitlang auf kleinen Spring- und Dressurturnieren unterwegs, manchmal auch recht erfolgreich platziert. Im Gelände war und ist sie nicht einfach und es kostete viel Zeit, Anstrengung, gute Worte, Durchhaltevermögen und Tränen, bis ich sie dort sicher reiten konnte. Inzwischen aber kenne ich sie in- und auswendig, und vertraue ihr 100-ig. Ich bilde mir ein zu wissen, wie sie auf dies und jenes reagieren wird. Das gibt mir das gute Gefühl von Überlegenheit, ganz tief im Inneren aber weiß ich, dass Nanna immer für Überraschungen gut ist. Aber, wäre es nicht langweilig, wenn es nicht so wäre?
Als sie 10 Jahre alt war, fing ich an, sie einzutölten. Da sie immer öfter den Tölt von sich aus anbot, wieder Erwarten klappte es sehr gut. Als sie und ich in Höchstform waren, passierte das Unfassbare. Es war ein wunderschöner Sommertag 2005, mein erster Urlaubstag, ich wollte mit einer Freundin ausreiten, und lief voller Freude in den Offenstall.
Nanna lief nur noch auf drei Beinen. Sie konnte hinten rechts nicht mehr auftreten. Meine Gedanken überschlugen sich und doch war ich völlig leer. Ich ahnte, dass es etwas Schlimmes ist. Meine Freundinnen aus dem Stall sprachen mir gut zu, sie habe sich vielleicht nur vertreten oder einen Abszess aber ich spürte tief in mir, dass es etwas Schlimmes sei. Mein Tierarzt kam und machte mir nicht allzu große Hoffnungen, dass es etwas Harmloses ist. Ich hatte zwar damit gerechnet, aber es ausgesprochen zu hören, war noch mal ein Schlag in die Magengrube. Der Verdacht einer Fraktur stand im Raum. Nanna wurde geröngt und ich musste bis zum nächsten Tag auf die Ergebnisse warten. Eine ganze Nacht lange warten. Es war die Hölle. Ich schlief bei ihr in der Box. Ich sprach mit ihr. Ich sprach ihr und mir Mut zu. Am nächsten Morgen dann der Anruf von meinem Tierarzt. Zum Glück war es kein Bruch, sondern ein großes Loch in der Sehne, was dann anhand eines Ultraschalls festgestellt wurde. Nach Monaten von Boxenhaft allerdings organisierte ich eine Box mit Paddock, da Nanna als Offenstallpferd nichts mehr hasst als in der Box zu stehen, Schritt führen, Spritzen, Bein einschmieren und bandagieren waren die Fortschritte zu gering. In dieser Zeit wuchsen Nanna und ich noch mehr zusammen. Sie wieherte mir zu, wenn ich kam. Der Tierarzt riet mir, sie auf die Wiese zu stellen, da er nicht glaubte, dass sie je wieder reitbar sei. Ich brachte sie in ein Nachbarort in eine Islandpferdeherde. Leider ist sie sehr schwierig im Umgang mit anderen Pferden und es ging nicht lange gut. Fast täglich hatte sie Verletzungen. Jeden Tag kam ich voller Angst zur Weide. So konnte es nicht weitergehen. Nach vielen schlaflosen Nächten und langen Gesprächen mit meinen Eltern entschloss ich mich, das Projekt "Pferd in Eigenregie" zu wagen. Ich schrieb Anzeigen und suchte nach einem Einsteller. Es meldeten sich einige, aber die Vorstellungen von mir und den Anrufern waren zu unterschiedlich. Ich zäunte mit meiner Familie und Freunden die Wiesen ein, entwarf den Stall, den mein Vater, mein Opa und mein Onkel wunderschön bauten, erkundigte mich über Weidepflege, Fütterung und und und. Ich fuhr im September 2006 nach Rosbach, um mich mit einer Bekannten auszutauschen, die einen Islandpferdehof hat. Wie es der Zufall wollte, hatte sie gerade 2 selbst gezogene fünfjährige Wallache zum Verkauf. Sie wollte sie mir nur mal zeigen. Ich dachte, gucken kostet ja nichts (fatalerweise).
Ich suchte nicht nach einem 2ten Pferd, ich wollte keines kaufen. Ich wollte zuerst das mit Nanna verdauen, dass sie laut Tierarzt erstmal unreitbar sei, hatte imense Tierarztkosten,
wollte mir meinen kleinen Stall aufbauen, wollte Geld sparen und mir dann, später, erst viel später, noch ein Pferd kaufen. Und dann sah ich Bjarki. Er stand da, sah mich an und siegte. Ich hatte mich sofort in ihn verliebt.
Er sah damals nicht gerade wie mein Traumpferd aus. Es war eine reine Bauchentscheidung, basierend auf Gefühlen. Ich wusste nichts über ihn, er war noch roh. Aber eins wusste ich - ich wollte ihn haben.
Er war alles andere als mein optisches Traumpferd. Ich hatte immer eine genaue Vorstellung. Natürlich ein Isländer. Ein Rappe oder ein Mausfalbe oder Windfarben mit viel Mähne und Schweif. Bjarki war das genaue Gegenteil.
Bjarki vom Schumann-Hof ist Fuchsfalbe mit Stern und Schnippe und Aaalstrich, kurzem sehr dicken Behang, 147cm gross, Fünfgänger, Naturtölter.
Vater: Fylkirsson vom Sommerberg
Mutter: Katla
Gekauft habe ich ihn im Oktober, nachdem ich 3 Wochen lang fast jeden Tag dort war und mit ihm gearbeitet habe. Er war noch roh, kannte zwar Schmied, Halftern, Putzen und wurde auch schon longiert, aber ich machte mit ihm Bodenarbeit und lange Spaziergänge und ich war die erste, die auf ihm saß! Auf der Weide und im Roundpen zeigte er freilaufend fast immer nur Tölt.
Im November 2006 kam er dann zu mir nach Hause und zu Nanna. Mein Traum wurde war: ein eigener kleiner Stall.
Es war alles ziemlich gewagt, da Nanna sich anderen Pferden gegenüber oft sehr böse benimmt. Ich wusste nicht, ob es klappt und wenn es nicht klappen würde, müsste ich Bjarki zurück geben. Nanna weg geben käme niemals in Frage. Wir ließen sie beide zusammen auf die Weide, die beide noch nicht kannten, ich erhoffte so, dass niemand sein Revier in Gefahr sah. Die beiden wieherten sich zu und galoppierten die Wiese hinab. Ich hatte das Gefühl zu schweben. Ich war glücklich. Die beiden verstanden sich gut, Nanna machte ihm klar, das sie der Boss war und Bjarki akzeptierte es. Die beiden sind ein Herz und eine Seele und meine Stute blüht richtig auf. Keine Spur mehr von dem asozialen unverträglichen Pferd, die Angst in ihren Augen ist verschwunden, sie spielt sogar mit Bjarki.
2006 wurde mein Traum von meinem kleinen eigenen Stall und zwei eigenen Pferden wahr. Nanna blühte immer mehr auf, ihr Bein wurde von Tag zu Tag besser. Ich hatte eine Osteopathin da und eine Tierheilpraktikerin und beide bestärkten mich darin, mit ihr zu arbeiten, sie wieder anzutrainieren. Nachdem dann auch mein Tierarzt sagte, sie sei so gut, ich solle ruhig wieder etwas machen - war ich unendlich glücklich. Inzwischen reite ich sie wieder in allen Gangarten, ich mache langsamer und weniger, aber ich kann auf ihr sitzen. Es ist ein Traum! Sie läuft auch oft als Handpferd mit und macht das unheimlich gut.
Bjarki hat sich auch sehr schön entwickelt. Inzwischen geht er einen schönen Schritt, trabt locker und fällt nur noch phasenweise in Tölt, Tölt ist sein Element und das in allen Tempi, Galopp ist inzwischen schön gesprungen und konstant und Pass ist auch da. Den will ich aber erst reiten, wenn die anderen Gänge, vor allem der Trab, gefestigt sind.
Wenn wir durch die Felder oder den Wald tölten, kommen mir manchmal die Tränen vor Glück.